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16 | 08 | 2018
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Alpeneinweisung

ALPENFLUGEINWEISUNG

Nach unserem Vereinsausflug im Jahr 2010 nach Mali-Losinj hatte ich immer wieder mal mit dem Gedanken gespielt, eine Alpenflugeinweisung zu machen.
Damals konnten wir nur über die Alpen fliegen, da niemand von uns eine spezielle Einweisung hatte und das Fliegen in den Bergen birgt seine speziellen Eigenheiten und Gefahren.
Wenn man aber nur über die Alpen kann, dann ist man ganz besonders vom Wetter abhängig, denn eine Überquerung ist nur dann möglich, wenn die Alpen wirklich frei von Wolken sind.
Mit einer Einweisung hätten wir - freie Täler vorausgesetzt - auch diese Routen nehmen können, selbst wenn die Alpen von oben durch Wolken gedeckelt gewesen wären.

Irgendwann im späten Frühjahr überraschte mich Ulrike mit der Idee, eine Alpenflugeinweisung machen zu wollen und ob ich nicht auch Lust dazu hätte. Klar hatte ich.
Ulrike hatte sich schon mal umgehört und hatte über die Flugschule Paderborn Kontakt mit dem Flugplatz "Zell am See" in Österreich aufgenommen.

Nach kurzer Terminabsprache stand fest:
Am 01.08.2011 hin und am 03.08.2011 zurück.
Alles etwas kompakt gefasst, so dass die Theorie am 01.08.2011 (dem Anreisetag) stattfand und die Praxis dann am Folgetag.

Je näher der Termin rückte, um so hibbeliger wurden wir beide. Die Wetteraussichten waren alles andere als rosig.
Aaaaaber: Man muss ja auch mal Glück haben.

In der Zeit vom 01.08. bis zum 03.08. schien sich der Wettergott ein wenig besonnen zu haben und so war das Wetter in Bielefeld als auch in Zell am See durchaus fliegbar.

Wir hatten die Route ausgearbeitet und diese sollte auf dem Hinflug von Bielefeld nach Vilshofen gehen (den Platz kannte ich ja schon vom Flug nach Mali-Losinj) um dort aufzutanken und danach weiter nach Zell am See.

Wir verabredeten uns für 08:00 Uhr, um möglichst früh los zu kommen und mussten leider feststellen, dass die Batterie der D-ELLX leer war. Irgendwer hatte den Hauptschalter angelassen und so war die Batterie aber so was von leer ... Na gut. Gott sei Dank hatte Martin eine Ersatzbatterie vorrätig und baute diese schnell ein.

Mit leichter Verspätung ging es also los - Richtung Vilshofen. Das Loch vom Dienst war schnell gefunden und so gingen wir over the top - zumindest, was die untere Wolkenschicht anging. Gut 5000 ft. höher war eine zweite, so dass wir die ganze Zeit zwischen zwei Wolkenschichten flogen. Ein tolles Erlebnis.
Wie auf solchen Flügen üblich teilten wir uns die Aufgaben. Ulrike war PIC, ich übernahm den Funk.

Nach Süden hin war eigentlich eine Auflockerung der Wolkendecke vorhergesagt worden; leider galt das wohl nur für die obere Wolkenschicht. Die unter uns dünnte sich zwar auch so langsam aus, größere Wolkenlücken waren aber eher selten. Da diese Richtung Süden noch seltener zu werden schienen, entschieden wir uns dafür, dann doch lieber gut 20 NM vor Vilshofen unter die Wolken zu gehen.
Auch schön, denn nun flogen wir die ganze Zeit die Donau entlang Richtung Süden.

In Vilshofen war die 30 aktiv, so dass wir - der Platzrunde folgend, erst einmal um das Städtchen herum mussten um dann - an der Insel vorbei - in den Endanflug zu gehen.
Ulrike setzte die brave LX nach gut 2 1/2 Stunden Flug mit einem kurzen Quitscher sanft auf der Piste auf und schnell ging es zur Tankstelle, um den notwendigen Sprit für den Flug nach Zell am See nachzutanken.

Da wir leider nicht an der Tankstelle stehen bleiben konnten, setzte Ulrike die Maschine um während ich den Papierkram erledigte. Landegebühren, Tanken auf extra Rechnung, Wetter einholen - na ja, und ein wenig essen. Das Flugplatzrestaurant hat eine gute Küche und so haben wir erst mal ein wenig geschmaust.
Zu unser beider Freude lockerten die Wolken immer mehr auf und nach Süden hin sollte es sogar - bis auf ein paar vorwitzige Kumuli - ganz wolkenfrei sein. Zell am See hatte auch gutes Wetter.

Wir hatten den Türmer gefragt, wie es denn mit der Aufgabe eines Flugplanes sei. Dieser hatte nur abgewunken und meinte, das würde hier niemand machen.
Da ich mir der Sache aber nicht sicher war, habe ich - iPad sei Dank - dann doch einen Flugplan aufgegeben.

Nach der Mittagspause ging es dann auf unsere zweite Etappe: Vilshofen - Zell am See.

Los ging es wieder über die 30 und dann in Richtung Süden. Ursprünglich hatte ich geplant, östlich an Salzburg vorbei über den Atter- und Wolfgangsee und unterhalb der Kontrollzone Salzburg dann Richtung Westen durch die Täler zum Pflichtmeldepunkt ECHO zu fliegen.
Ulrike wollte lieber "oben" rum, d. h. entlang der Grenze, an Garching und dem Flugplatz Schönberg (EDPK) und dem Chiemsee vorbei und dann von Norden her nach Zell am See.
Gut, warum nicht? Die Wolkentürme über den Alpen waren schon sehr Respekt einflößend und so drehte ich kurz vor der Grenze ab und wir flogen Richtung Süd-Westen.

Was für ein Himmel. Je näher wir den Bergen kamen, um so deutlicher schälten sich diese aus den sie umgebenden Wolken heraus. Eine grandiose Landschaft.
Die Chiemgauer Berge konnten wir noch überfliegen und mussten erst auf Höhe von Lofer zwischen die Gipfel.
Immerhin hatte ich schon vorher ein wenig Theorie gewälzt und wusste, dass man nicht direkt in Talmitte sondern - wenn möglich - auf der in Flugrichtung rechten Seite des Tals fliegt. Nichts desto trotz hielt ich vieeeeeeeel Abstand zu den Berghängen - noch!

Zur linken das steinerne Meer fliegt man in einer leichten Rechtskurve Richtung Saalfelden und hat den Zeller See malerisch vor sich liegen. Wir meldeten uns über Pflichtmeldepunkt November 1 und bekamen als aktive Start und Landebahn die 08 zugewiesen. Die Platzrunde führt dicht am Berghang vorbei in einer recht engen Kurve in den Quer- und direkt danach in den Endanflug. Nach 57 Minuten war dieser Flug dann leider auch schon wieder - diesmal mit einem etwas lauteren Quietschen - zu Ende.
Wir konnten die Maschine auf der Grasfläche neben dem Vorfeld abstellen und sicherten die LX auch direkt. Es war zwar nicht viel Wind vorhergesagt, aber sicher ist sicher.

Im Hauptgebäude suchten wir dann unseren Fluglehrer, der aber noch anderweitig beschäftigt war.
Kurz und gut, wir haben uns erst mal ins wirklich gute Flughafenrestaurant gesetzt und ein wenig entspannt.
Der kurze Flug über die Berge und durch die Täler hatte schon einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
Voller Erwartung harrten wir also der Dinge, die da kommen würden.

Michael, unser Fluglehrer, (von allen Flugmichl genannt) hatte dann endlich - mit einiger Verspätung - Zeit für uns und wir machten uns an die Theorie. Im Endeffekt ist die Fliegerei in den Bergen kein großes Geheimnis. Man muss nur sehr sehr genau das Wetter studieren. Man muss sich vor allem auf völlig unberechenbare Windverhältnisse einstellen. Weht der Wind in der Ebene mit 5 kt aus West, kann es einem in den Bergen passieren, dass er durch die Täler auf einmal wie in einem Kanal mit 10 kt aus Süd kommt oder dass der sich vor den Bergen staut und einen heftigen Aufwind erzeugt oder in Lee der Berge einen heftigen Leewirbel, der einen auf einmal in Richtung Boden drückt.

Wichtig war zu wissen, dass man im Minimum 500 ft, besser aber 1000 ft über den jeweiligen Passhöhen fliegen und dass diese Höhe tunlichst schon weit vorher erreicht sein soll. Wenn man merkt, dass man die Höhe nicht rechtzeitig schafft, umkehren oder - wenn Platz genug ist - vor dem Pass in die entsprechende Höhe kreisen.

Geflogen wird - so es die Windverhältnisse zulassen - in Flugrichtung rechts am Berg, nicht in der Talmitte. Und das möglichst dicht am Berg. Je näher man am Berghang fliegt, um so größer ist der Platz für eine entsprechende Umkehrkurve. Außerdem ist bei Leewalzen direkt am Berg meist eine Aufwindzone zu finden, während man etwas weiter weg vom Berg eher in die Abwindzone der Walze kommt.

Dass man Bergrücken nicht im rechten Winkel anfliegt, ist auch klar - nur manchmal einfach schwer einzuhalten, schließlich verlaufen die Gipfelgrate ja auch nicht schnurgerade.

Es gab noch einiges mehr an Theorie und wer mag, kann gerne das kopierte Skript einsehen.

Nach konzentrierten zwei Stunden verabredeten wir uns für den nächsten Morgen - direkt zur Platzöffnung - für unsere praktische Einweisung.

Nach so viel Theorie und Praxis (zumindest was den Hinflug angeht) bestellten wir uns ein Taxi und es ging erst mal ins recht zentral gelegene Hotel. Die Zimmer waren ordentlich und auch die Einzelzimmer preislich im Rahmen. Wir hatten mit Frühstück gebucht; zu mehr wäre eh keine Zeit gewesen.

Nach einem ausgiebigen Abendessen und einem kleinen Spaziergang am Zeller See entlang ging es recht früh in die Falle. Ich war echt müde und ich wollte noch ein wenig die Theorie durchgehen bis zum nächsten Morgen.

Dieser begann bei strahlend schönem Wetter, tiefblauem Himmel mit eingelagerten Kumulusflöckchen.
Das Frühstück wurde im Schnelldurchgang bewältigt und schon brachte uns das Taxi wieder zum Platz. Gut, dass wir es am Abend davor direkt geordert hatten.

Am Platz mussten wir tatsächlich noch ein wenig warten, wir waren etwas zu früh da. Dass da jemand eine halbe Stunde vorher am Platz ist, wie bei uns, war da leider nicht so.
Die Nacht war frisch gewesen, so dass unsere LX über und über voller Tautröpfchen war. Also hieß es erst einmal: Alles trocken wischen.
Da es morgens angenehm frisch war, haben wir direkt schon getankt. Bei den Temperaturen konnte man auch etwas schwerer in die Luft, trotz der 2470 ft Platzhöhe.

Nun, und wer fliegt jetzt zuerst?

Eigentlich wollte Ulrike zuerst (Ladies first), dann aber doch lieber erst mal zuschauen ... also hab ich den ersten Flug gemacht.
Unser Flugmichl war inzwischen am Platz eingetroffen und so konnte es, nach entsprechender Vorbereitung der Flugroute, losgehen.
"Denkt daran: Wir fliegen nur nach Karte, kein GPS!!!"
Ah ja.
Die Route führt von Zell am See über die Bärenschlucht und das Ferleitental in Richtung Großglockner - bzw. in Richtung Hochtor-Pass. Von da aus das Mölltal hinunter bis nach Lienz; hier rechts rum und der Bundesstraße 108 folgen - irgendwann verschwindet diese im Tauern-Tunnel und man selbst hüpft über das Schoppmannstörl und trifft danach im Felbertal wieder auf die Straße. Dem Tal folgt man dann bis nach Mittersill, dort wieder rechts rum und es geht wieder zurück nach Zell am See.

Startbahn 08 ... Klappen drin ... langsam Vollgas geben ... Bremsen lösen ... und die Bahn wurde echt recht kurz. Eigentlich wollte ich kurz vor dem Abheben die Klappen auf die Stufe 1 stellen (so wie ich es oft mache) - hab es jedoch vergessen, weil Michael etwas erklärte. Erst als er selbst etwas größere Augen bekam, hob die gute LX knappe 50 m vor Bahnende ab. Er fragte, was denn losgewesen sei und ich erklärte es ihm, während wir stetig stiegen ... genau auf einen Berg zu, der da in der Abfluglinie war. Michael sagte, wir sollen uns an die Platzrunde halten (zumindest an den Querabflug) und dann weiter Richtung November 1 und vor allem "steigen, steigen, steigen"...

"So, jetzt kannst Du langsam in Gegenrichtung drehen." Michael wies mit dem Daumen kurz vor Erreichen von November 1 in die entgegengesetzte Richtung.
Gesagt, getan. Langsam drehten wir in Gegenrichtung, jeder voll darauf konzentriert, dass uns nicht noch jemand anderes vor die Nase fliegt.

"Der Pass liegt auf 8448 ft. Wie hoch musst Du mindestens steigen?"
"Ca. 9000 ft."
"Ja, und was wäre die optimale Höhe?"
"Gut 9500 ft."
"Richtig. Du fliegst jetzt erst mal in das Tal ein und steigst langsam auf 8000 ft."
"Dann kommen wir aber nicht über den Pass!" erwidere ich verwundert.
"Du sollst ja auch lernen, was Du machen musst, wenn es mal nicht passt." erläutert Michael schmunzelnd und weist mich auf meinen ersten Fehler hin: "Du musst näher an den Berg! Denk immer daran, dass Du nur so Platz hast, um im Notfall umkehren zu können, ohne eine Kunstflugeinlage zu machen!"

Vorsichtig schiebe ich mich etwas näher an den Berg. Offensichtlich immer noch mit zu viel Abstand.
"Wenn Du nichts dagegen hast, übernehme ich mal und zeige Dir, wie nah man an den Berg gehen kann."
Natürlich hatte ich nichts dagegen und Michael steuerte die Maschine immer näher an die Berghänge heran. Eine zweite Maschine hätte neben uns keinen Platz mehr gehabt.
"Du kannst wieder übernehmen. Du musst keine Angst haben, solange du parallel zum Berghang fliegst."
Mittlerweile waren wir im Ferleitental und flogen genau auf die Hohen Tauern - mit dem Großglockner in der Mitte - zu.
"Und? Wo ist jetzt der Pass?"
"In Richtung 11 Uhr..." wies ich mit dem Finger in die angegebene Richtung.
"Ja, das stimmt. Du bist jetzt auf 8000 ft. Vor dir der Großglockner, der geht bis auf gut 12500 ft hoch, da kommst Du von hier aus gar nicht drüber, zumal der meistens in den Wolken ist.
Der Pass liegt auch noch 500 ft höher. Du musst also mindestens noch 1000 ft steigen. Was würdest Du nun machen?"
Ich schaute mich in dem vor mir liegenden Tal um. Gott sei Dank wurde es zum Ende hin breiter, fast wie ein Talkessel.
"Das Tal ist breit genug; ich würde hier kreisen und dabei an Höhe gewinnen."
"Genau. Denk daran, immer schön dicht an den Hängen zu fliegen, um möglichst keinen Platz zu verschenken."

Ich kurvte also mit großen Kreisen in dem Talkessel und fing an, mich daran zu gewöhnen, dass neben einem eben kein freier Luftraum sondern recht harter Fels zu finden ist. Langsam flog auch ich immer näher an den Berg heran.

"So, Du weißt ja, dass man nicht im 90°-Winkel über die Kämme fliegt. Wie würdest Du jetzt den Überflug über den Pass angehen?"

"Ist aber schwierig, weil hier ja wirklich nur ein Einschnitt über den Pass führt. Ich würde jetzt erst mal möglichst dicht am Hang entlang und dann quer über den Pass - wobei: Dann komme ich ja auf die andere Seite und da könnte mir einer entgegen kommen ... " Jetzt bin ich doch unsicher, wie man da am besten drüber kommt.

"Für alle Regeln gibt es Ausnahmen. Wenn Du keine Möglichkeit hast, im spitzen Winkel über den Grat zu fliegen, dann fliegst Du halt einen stumpferen Winkel. Du hast genügend Höhe und Du siehst den Pass, also ist das nicht ganz so tragisch. Du musst aber auf alle Fälle darauf achten, dass Du nicht über die Mitte des Passes hinaus auf die andere Seite schießt."
"Das ist aber eng!!!" Hochkonzentriert lenke ich die LX um den Berghang des Brennkogel herum
und fliege das Hochtor im Winkel von ca. 70 ° an.
"Wenn Du den Pass überflogen hast, kannst Du, dem Gelände angepasst, wieder Höhe abbauen.
Sag mal, hast Du Lust, den Großglockner aus der Nähe zu betrachten?"
"Na klar!"
"Dann flieg' hier mal rechts ins Tal. Siehst Du den See da hinten? Bis dahin dürfen wir fliegen, danach ist alles Naturschutzgebiet. Der Einflug wird dann richtig teuer."

Wir fliegen auf den Großglockner zu und es ist ein unheimlich schönes Panorama.
"Ihr habt echt Glück, wisst ihr das? Am Wochenende war hier noch alles dicht und selbst wenn die umliegenden Berge frei sind; der Großglockner hängt fast immer in den Wolken."

Kurz vor dem See drehe ich wieder um.
"Na? Welches Tal nehmen wir denn jetzt?" Gemein. Als wir vom "Hochtor" kamen, hätte ich links in das Mölltal gemusst. Wir sind aber rechts Richtung Großglockner geflogen. Das heißt: links geht es wieder zurück zum Hochtor, rechts geht es in ein Blindtal - bleibt also nur noch geradeaus.
"Wir müssen geradeaus!"
"Richtig. Denk' daran: Eine Navigationshilfe im Gebirge ist tatsächlich, die Täler zu zählen. Mit einer genauen Karte kannst Du Dir von bestimmten Fixpunkten aus an den Taleingängen Hilfspunkte einrichten. Beim Flug brauchst Du dann nur einfach abzählen. 4. Tal - nach rechts."
Ich schaue nach draußen und schaue ihn ungläubig an. Bei dem Gewusel an kleinen Einschnitten und Bergrücken ...
"Doch, das funktioniert wirklich! Du musst nur konsequent zählen. Wir probieren das mal. Ich übernehme und Du schaust mal in die Karte, in welches Tal wir nachher einfliegen müssen und das wievielte Tal es von hier aus ist."

Während Michael die LX haarscharf an den Berghängen vorbei steuerte und sichtlich Spaß dabei hatte, hantierte ich mit der Karte rum.
"Also, ich denke, das müsste das 3. Tal von hier aus sein."
"Schau'n wir mal..." kam die schmunzelnde Antwort von Michael.

Ich übernahm die Maschine wieder und langsam ging es auf 5000 ft. herunter in Richtung Lienz.
"So, und jetzt?" Michael blickte der Schalk aus den Augen.
Wir hatten letztlich die freie Auswahl. Zwei links, zwei rechts, zwei fallen lassen.
"Wir müssen halb rechts. Da vorne ist Lienz."
"Und wo ist dann der Flugplatz?"
"Der müsste jetzt halb links hinter uns liegen."
"Das ist richtig." Michael und Ulrike versuchten, den Platz zu finden, der zwischen der Drau und dem Trattenberg liegt und somit schwer zu finden ist. Ulrike sieht ihn als erstes.

"Worauf musst Du beim Fliegen im Gebirge auch noch unbedingt achten?"
Ich überlege und lasse mir damit wohl etwas zu lange Zeit.
"Denk mal an spektakuläre Unfälle, die es nur im Gebirge gegeben hat?"
"Seilbahnen?"
"Ja. Jetzt schau mal in Deine Karte und schau mal ins Tal und auf den Berg. Was fällt Dir auf?"
"Da sind einige Seilbahnen an den Hängen."
"Und?"
"Die sind aber nicht auf der Karte vermerkt."
"Ganz wichtig! Darauf musst Du aufpassen. Es gibt nicht nur die fest stationierten Seilbahnen, die zum Teil nicht in den Karten vermerkt sind sondern auch ganz viele Behelfsbahnen, die z. B. von Forstarbeitern für einen bestimmten Zeitraum eingerichtet werden, um Holz ins Tal zu transportieren oder um eine neue stationäre Strecke aufzubauen.
Du musst immer einen Blick voraus haben, denn die Seile sind oft nur sehr schlecht zu erkennen, vor allem, wenn der Berghang im Schatten liegt oder in der Dämmerung... Am besten sind die stationären Seilbahnen in Wanderkarten eingezeichnet. Da hast Du dann auch Skilifte mit drin."

Gut zu wissen.

"Wir sind jetzt auf dem Weg zum nächsten Pass. Der liegt auf 8630 ft. Du musst also mindestens noch 4200 ft. rauf. Denke immer an die Steigleistung deines Flugzeuges unter diesen Bedingungen. Insofern solltest Du so früh wie möglich mit dem Steigflug anfangen."

Es war eine echte Freude, die Hänge entlang zu fliegen. Jetzt, da ich mich schon sicherer fühlte, machte es einen irren Spaß. Manchmal flog man genau auf der Höhe der ein oder anderen Hütte, von der aus einem die Leute fröhlich zuwinkten.

Um möglichst viel Flugstrecke zum Steigen zu haben und um immer den optimalen Abstand zur anderen Talseite zu haben, flogen wir an steilen Berghängen entlang. Ich dachte dabei an Wolfgang, der mir während der Ausbildung mal gezeigt hatte, dass man, wenn man zu hoch reinkommt, die Wegstrecke und damit die Strecke zum Höhenabbau künstlich damit verlängern kann, indem man S-Kurven fliegt. Nichts anderes, nur in umgekehrter Richtung, machten wir hier auch.
Aus dem Steigflug wurde ein fantastischer Konturenflug. Wow, machte das Spaß.

Schräg unter uns verschwand die Straße im Tunnel.

"Ich lasse dich jetzt einfach mal machen und werde nur einschreiten, wenn etwas im Argen ist."

Ich schaute noch einmal auf die Karte. Das Schoppmannstörl liegt zwischen Teufelspitze und Hochgasser. Wenn ich da mit einem spitzen Winkel rüber gehe, lande ich direkt neben dem Berghang vom Hochgasser, nur leider auf der falschen Seite.
Ich ließ den Abstand zur Teufelsspitze langsam größer werden, um dann fast im 90°-Winkel in Richtung auf den Pass zu fliegen. Das Tal hinter dem Pass weitet sich sehr nach rechts aus, so dass ich in einer Rechtskurve über den Pass flog und so direkt genügend Abstand zum Berghang vom Hochgasser gewinnen konnte. Möglichst dicht am Hang entlang begann ich mit dem Sinkflug in Richtung Mittersill.

Michael hatte den Flug bisher ohne Kommentar verfolgt. Jetzt kam die Manöverkritik.
"Warum hast Du denn vor dem Pass so weit ausgeholt?"
Ich erläuterte ihm meine Gedanken, die in der Schlussfolgerung gipfelten, dass ich nicht in einer Steilkurve über den Pass wollte.
"Ist im Prinzip richtig. Du warst aber trotzdem schon fast in der Mittelachse vom Pass. Hier wäre es möglich gewesen, weil die angrenzenden Grate nur langsam ansteigen, dass Du etwas näher an den Berg geflogen wärst, selbst wenn Du dann nur noch 400 ft. unter dir gehabt hättest; in den Bergen ist der Abstand zur gegenüberliegenden Seite die beste Lebensversicherung."
Ich ließ seinen Kommentar sacken, da kam schon der nächste:

"Wenn Du gleich in das Tal in Richtung Flugplatz einfliegst, achte auf andere Flugzeuge. Dieses Tal ist eines der Hauptverkehrsstrecken. Und schau nicht nur nach links sondern auch nach rechts. Leider fliegen hier auch viele, die keine Einweisung haben und daher die Regeln nicht so kennen. Ich hab es schon oft gehabt, dass mir auf einmal ein Flugzeug in meiner Höhe und auf meiner Seite entgegen kam."

OK! Guter Hinweis!

"Du sag mal, der Rückflug nach Zell am See ist ja nur noch eine Pflichtübung. Hast Du Lust, zur Kür überzugehen?"
Ich schaute ihn verwundert und fragend an.
"Na, ein wenig Spaßfliegen. An den Bergen entlang."
Ich grinste ihn an ... "Na klar!"

Auch Ulrike hatte nichts dagegen und so bogen wir über Mittersill nicht nach rechts ab sondern flogen nach links.

"Wir fliegen zum 'Wilden Kaiser'. Dafür musst Du da vorne rechts ins Tal einfliegen. Ich übernehme mal und Du schaust auf die Karte und sagst mir, wo dieses Tal hinführt."
Oh Gott. Ich? Ich wusele in der Karte rum und komme zu dem Schluss, dass das Tal und die Straße, die da so eine charakteristische Serpentine hat, nach Kitzbühel führen.
"Hier geht es nach Kitzbühel."
"Genau." schmunzelt Michael "Flieg einfach erst mal weiter und achte vor allem auf Seilbahnen."

Ich achtete weiter darauf, möglichst dicht am Hang zu fliegen und stieg langsam auf 5500 ft. Trotzdem hatte ich Muße, das umliegende Panorama zu genießen. Vor uns weitete sich das Tal langsam und Kitzbühel lag vor uns. Kitzbühel zur linken und den "Wilder Hag" zur rechten ging es weiter in Richtung Sankt Johann in Tirol. Welch ein toller Anblick. Mittlerweile bildeten sich immer mehr Kumulusflöckchen und hingen wie kleine Wattebäusche im tiefblauen Himmel.

"Sankt Johann hat einen Flugplatz. Hier musst Du besonders auf an- und abfliegenden Verkehr achten."
Hatte ich mir schon gedacht; der Platz war auf der Karte eingezeichnet.

"Hinter Sankt Johann fliegst Du halb links auf diese Berge da zu." Er wies mit dem Finger auf eine beeindruckende Felsformation "... und hältst dich dann rechts vom 1. Gipfel..."
Gesagt, getan. Wir flogen - in Flugrichtung gesehen - hinter den 'wilden Kaiser', ein völlig zerklüftetes und steiles Massiv.
"Ab hier ist Kür." grinste Michael und dann in flogen wir in engen Kurven an den Steilhängen entlang, kippten hinter Graten nach unten weg, immer bemüht, trotzdem alle sonstigen Vorgaben einzuhalten.
"Wenn Du magst, kannst Du Dir einen Einschnitt im Hauptkamm suchen und zur anderen Seite vom Berg fliegen. Ich lenkte die LX über den nächsten kleinen Grat und fand schnell einen V-förmigen Einschnitt im Hauptkamm. In einer engen Linkskurve drehte ich auf den Einschnitt ein. Gott, ist das eng, passt aber. Kurz hinter dem Kamm lenke ich die Maschine nach rechts und sinke etwas.
Mein Gott, ist das geil. Etwas ruhiger geht es jetzt vor dem 'Wilden Kaiser' entlang. Am Ende der markanten Formation fliegen wir in einer engen Rechtskurve noch einmal hinter diese und das Abfliegen der Hänge beginnt von neuem, nur dass wir diesmal nicht über den Hauptkamm hüpfen.

Der Rückweg verläuft über Sankt Johann nach Fieberbrunn, von dort aus nach Saalbach und entlang des Glemmtals in Richtung "November 1" von Zell am See.

Michael übernimmt den Funk und zeigt uns den Weg der üblicherweise geflogenen Platzrunde, der vor allem im Gegenanflug weiter in Richtung Berghang verläuft, als in der Anflugkarte angegeben.
"Dann hat man etwas mehr Platz im Queranflug" meint Michael. Der Queranflug ist nämlich ziemlich kurz bemessen.
Der Endanflug führt über einen Golfplatz, auf dem eifrig gespielt wird. Im direkten Anflug sind noch ein paar Tannen im Weg, so dass man etwas rechts von der Mittellinie anfliegt.

Mit einem leichten "Rumms" setzt die brave LX auf. Mein Gott, wo sind diese anderthalb Stunden hin? Ich bin erst einmal durch.
Ich freue mich schon darauf, wenn Ulrike fliegt und ich mir das alles als PAX anschauen kann.

Nach einer kurzen Pullerpause mit anschließendem Briefing geht es diesmal den umgekehrten Weg, d. h. von Zell am See nach Mittersill, über das Schöppmannstörl nach Lienz und dann über das Hochtor wieder zurück nach Zell am See.

Die Temperatur lag inzwischen bei gut 20°, so dass wir auf das Nachtanken verzichteten. Wir hatten noch genügend Treibstoff an Bord, so dass wir erst mal nicht nachtanken mussten.

Ulrike setzt von vorn herein die Klappen auf Stufe 1 und kommt deutlich besser weg als ich. Langsam steigt die gute LX in die Höhe und folgen der Platzrunde, die wir am Ende des Gegenanfluges verlassen.

Ich hänge mit meinen Gedanken immer noch bei meinem Flug, als Michael schon den nächsten Hinweis gibt.
"Du kreuzt jetzt das Tal, um links in ein anderes Tal einzufliegen. Hier musst Du besonders auf entgegen kommenden Verkehr und darauf achten. dass Du von hinten nicht überholt wirst. Rechts vorbei geht ja nun nicht, weswegen meist in Richtung Talmitte überholt wird."

Ulrike nickt und hält konzentriert Ausschau nach dem richtigen Tal. Die Route hat es auch in sich und obwohl es die gleiche wie vorher ist, kommen einem Täler und Wegpunkte überhaupt nicht bekannt vor, zumal sich in Gegenrichtung einige gemeine Weggabelungen befinden.

Ulrike hat das richtige Tal ausgemacht und wir fliegen ein.
"Steig diesmal direkt auf die erforderliche Höhe." meint Michael "... diesmal ist das Tal enger und wir haben von dieser Seite nicht unbedingt den Platz, um vor dem Pass noch zu kreisen."

Ulrike schlägt von sich aus den richtigen Weg in Richtung Schoppmannstörl ein. Michael zeigt auch ihr, wie dicht man an den Bergen fliegen sollte. Bald schon sind wir vor dem Pass und es geht in einer engen Rechtskurve über den selbigen.

Entlang der 108 fliegen wir jetzt in Richtung Lienz.
"In welches Tal müssen wir denn einfliegen?" fragt Michael.

"Ins zweite." kommt es von Ulrike zurück.
"Ja, richtig." bestätigt Michael die Antwort von Ulrike.

Während Ulrike sich auf dem längsten Teilabschnitt der Route immer näher an die Berge heran tastet, genieße ich die herrliche Aussicht. Dieser tiefblaue Himmel mit den sich langsam aufbauschenden Kumuluswolken, diese unglaublich klare Sicht. Michael meint, es sind heute über 100 km. Die Landschaft scheint wie in Zeitlupe vorbei zu streichen.

Kurz vor Lienz meint Michael "Ich sag jetzt mal nichts und Du fliegst in das Tal ein, welches Du für richtig hältst. Achte nur auf den Flugverkehr, denn voraus ist der Lienzer Flugplatz."
Ulrike nickt und bald darauf geht es nach links in das weiterführende Tal.

Michael schmunzelt und schaut sich nach mir um, während ich auf der Karte nachschaue.
Boah, ist das gemein. Hinter Lienz, direkt an den Serpentinen, gabelt sich das Tal noch einmal in spitzem Winkel. Wenn man nicht genau aufpasst, fliegt man statt ins Mölltal ins Debanttal, welches am Ende vor einem Berg endet.

"Meinst Du, dass Du richtig bist." fragt Michael ...
"Klar" ... antwortet Ulrike.
"Schau noch einmal genau ... ich übernehme so lange ..." schlägt Michel vor.
Ulrike schaut angestrengt in die Karte und kann keinen Fehler entdecken.
Etwas verwundert schaut Ulrike Michael an.
"Schau mal, da ist keine Straße..." meint Michael.
"Aber klar, da unten ist sie doch ..." antwortet Ulrike, jetzt erst recht verwundert.
"Ja, da unten ist eine Straße, aber auf der Karte nicht."
"Na klar, da ... " tippt Ulrike mit dem Finger auf die Karte.

Oh Mann. Das ist wirklich gemein. Die Straße im Mölltal verläuft im oberen Talbereich relativ ruhig ohne großartige Serpentinen oder sonstige Auffälligkeiten, genauso wie die Straße unter uns. Wenn man davon ausgeht, dass man im Mölltal ist, merkt man erst, dass man im falschen Tal ist, wenn es sich am Ende zu zieht oder man an einem anderen als dem Zielort rauskommt.

Auch Michael hat mitbekommen, wie es zu der Verwechselung gekommen ist und dass man in diesem Fall aufgrund mangelnder markanter Geländepunkte echt in die Irre geführt wird.

"Gut, dann flieg mal eine Umkehrkurve. Höhe haben wir genug, du musst aber noch etwas weiter in Richtung Hang, damit wir genügend Platz zum wenden haben."

Ulrike wendet in einer engen Linkskurve und zurück geht's in Richtung Lienz.

"Wie musst Du gleich fliegen?" fragt Michael und während er das Steuer übernimmt, studiert Ulrike die Karte.
"Scharf nach links." erwidert Ulrike und packt die Karte zur Seite. Das Gemeine ist, dass man bei einem 90°-Turn glatt wieder in ein falsches Tal einfliegt. Dieser Wegpunkt hat es wirklich in sich, zumindest in dieser Flugrichtung.
Ulrike dreht auf Anhieb ins richtige Tal und langsam steigen wir dem Hochtor entgegen.

Auch Ulrike macht den Abstecher in Richtung Großglockner, bevor es dann endgültig über das Hochtor zurück geht bzw. gehen sollte. Ulrike hat nämlich auch Lust auf eine Kür und obwohl Michael mittags schon wieder den nächsten Termin hat, stimmt er schmunzelnd zu.
Wir hüpfen rechts über den Grat in Richtung "Drei Brüder" um von dort aus das Tal zu überqueren und in Richtung 'Dientener Berge' und dem 'Hochkönig' weiter zu fliegen.

Während Michael Ulrike einweist, in welches Tal sie einfliegen soll, bemerke ich aus den Augenwinkeln eine Bewegung. Ich schaue genauer hin und sehe eine Cessna, die unseren Weg kreuzen wird. Ich patsche Michael auf die Schulter und weise auf die von rechts kommende Maschine. Ulrike hat die andere Maschine auch bemerkt und drückt die LX etwas nach unten.
Gut 10 m höher und in einer Entfernung von vielleicht 70 m kreuzt die Cessna unseren Flugweg. Die Passagiere auf dem Rücksitz winken herüber. Michael sackt etwas in seinem Sitz nach unten und atmet erst einmal laut aus ... "Puh, war das knapp" und schüttelt ein wenig seinen Kopf.

Wir in das Tal ein und bald schon liegt der 'Hochkönig' vor uns. Was für eine traumhafte Kulisse.
Ulrike kurvt um die Berge herum, als hätte sie nie etwas anderes gemacht.

Leider muss Michael nun wirklich zu seinem Termin und ist sogar schon etwas zu spät dran, so dass wir uns auf den Rückflug machen müssen. Bei Saalfelden drehen wir wieder in Richtung November 1.

Ulrike landet seidenweich und wir machen erst einmal eine kleine Mittagspause. Michael hat am Nachmittag leider keine Zeit mehr. Dennoch beschließen Ulrike und ich, am Nachmittag jeder noch einen Flug zu machen, um das Gelernte zu festigen.

Wir tanken unsere brave LX voll (trotz der mittlerweile herrschenden 25° C und diesmal fliegt Ulrike den ersten Turn. Wir fliegen diesmal an Mittersill vorbei in Richtung Zillertal, dann in Richtung Achensee, rechts ins Inntal Richtung Kufstein und bei Wörgl zurück nach Zell am See. Diesmal fliegt auch Ulrike am "Wilden Kaiser" vorbei.
Wenn man vom Zillertal in das Inntal einfliegt, sollte man unbedingt auf seine Höhe achten, denn in diesem Bereich ist schon z. T. Luftraum D von der Innsbrucker Kontrollzone.

Nach etwas über einer Stunde Flug tauschen wir noch einmal die Seiten im Cockpit. Ich fliege fast die gleiche Strecke wie Ulrike. An der Wasserfallklamm mit den Krimmler Wasserfällen (die höchsten Europas) drehe ich noch einen Vollkreis, um dann ebenfalls ins Zillertal weiter zu fliegen.

Auch ich fliege noch mal an den "Wilden Kaiser", wobei dieser von mehreren Segelflugzeugen vereinnahmt wird. Ich fliege hinter dem Berg während auf der anderen Seite zwei Segelflugzeuge im Aufwind in gegengesetzter Richtung unterwegs sind. Das eine davon dreht noch - bevor wir aneinander vorbei sind - in unsere Richtung; allerdings so langsam, dass es erst hinter uns unseren Kurs kreuzt.
Verflixt, daran hatte ich gar nicht gedacht. Es sind ja nicht nur die motorisierten Kollegen unterwegs.
Wenn man von Zell am See in Richtung Mittersill fliegt, waren in diesem Bereich immer wieder Gleitschirmflieger unterwegs, auf die man höllisch aufpassen musste.
Klar, die Region ist beliebt.

Nach fast zwei Stunden (ich ich musste einfach auch noch mal die Strecke von heute Morgen fliegen) setzten wir zur Abschlusslandung an.

Was für Eindrücke. Wir saßen etwas ausgepumpt im Flughafenrestaurant und schöpften erst einmal ein wenig Kraft. Die LX war abgeschlossen und hatte sich ihre Pause ebenfalls redlich verdient.

Wir beschlossen, heute mal zu Fuß zum Hotel zu gehen, was eine gute Gelegenheit war, den Tag noch einmal ein wenig sacken zu lassen.

Nach diesen langen Flügen und dem anschließenden Spaziergang brauchte ich erst einmal eine Dusche. Gott, sah das Bett einladend aus.
Wir wollten aber noch kurz den morgigen Tag besprechen, also konnte ich meinem Ruhebedürfnis leider nicht nachgeben.

Bei einem netten Essen legten wir die Route für den nächsten Tag fest.
Für den Folgetag waren linienförmige Gewitter vorausgesagt, die langsam von Westen her aufkommen sollten.
Ulrike wollte gerne den Flug aus den Alpen machen und hatte sich als Route den Weg über das Zillertal, den Achensee, an Bad Tölz vorbei über den Starnberger- und den Ammersee nach Augsburg ausgedacht.
Dort nochmals tanken und dann zurück nach Bielefeld, wobei ich dann den zweiten Teil der Strecke fliegen sollte.

Da sich am nächsten Morgen heraus stellte, dass die Fronte doch etwas schneller voran kommen als gedacht, haben wir uns früh auf den Weg gemacht. Es war ein herrlicher Morgen und mit leichter Wehmut nahmen wir von Michael Abschied. Wir hätten gut noch zwei Tage anhängen können.

Schöner hätte das Wetter zum Abschluss nicht sein können. Der Flug über den Achensee, die langsam kleiner werdenden Berge, die fantastische Sicht ... langsam zogen unter uns der Starnberger- und der Ammersee vorbei. Traumhaft schön.

In Augsburg tankten wir die LX noch ein letztes Mal auf und holten für die letzte Etappe das Wetter noch mal ein. Die Regen- und Gewitterfronten waren schon in Deutschland angekommen und zogen langsam Richtung Ost-Nord-Ost.

Kleine Anekdote beim Start: Beim Landeanflug hatten wir einen männlichen Fluglotsen. Beim Start eine Fluglotsin. Nach Freigabe zum Aufrollen gab sie uns den Start frei. Ich war nicht ganz in der Luft, da wurde ich unsanft von dem Fluglotsen gefragt, wieso ich denn gestartet sei, ich hätte doch gar keine Freigabe zum Start gehabt. Ulrike und ich schauten uns verwundert an, denn die hatten wir ja von der Fluglotsin bekommen, was ich ihm auch durchgab. Nach einigen Augenblicken schienen sich die beiden im Turm ebenfalls darüber verständigt zu haben, denn es kam eine genuschelte Entschuldigung durch den Äther. Nichts desto trotz rutscht einem das Herz aber erst mal um einige Dezimeter tiefer.

Der Rückflug war fast langweilig. Irgendwie fehlten mir die Berge, an deren Hängen man so schön entlang fliegen konnte. Lediglich in Höhe von Fulda wurde es noch einmal spannend, da sich von Westen her eine Regenfront in unseren Kurs schob. Ich beobachtete den Horizont und stellte fest, dass der Regen zu dicht war, um unten durch zu fliegen. Der entfernte Horizont im Westen war ebenfalls sehr verwaschen. Ich entschied mich, vor der Front etwas nach Osten auszuweichen, da dort kaum Bewölkung war und der Horizont am besten auszumachen war. Letztlich war es die richtige Entscheidung, denn als wir um die erste Wolkenformation hinter uns gelassen hatten, konnten wir erkennen, dass es sich um eine lange Schauerlinie handelte, die sich nach Westen hin ausbreitete.
Es war eben wohl doch gut, sich neben METARs und TAFs auch den Satellitenfilm anzuschauen, da man so die Zugrichtung der Fronten gut auf den Flugweg übertragen konnte.

Nach etwas über zwei Stunden war auch diese letzte Etappe geschafft.
In der Summe hatte jeder von uns beiden in den drei Tagen über 6,5 Stunden geflogen und unvergessliche Eindrücke und Erfahrungen gesammelt.
In einem sind Ulrike und ich uns einig: Diese Einweisung müssen wir auf alle Fälle noch einmal machen - und sei es nur zur Auffrischung.

Für alle, die sich die ganzen Berg-, Tal- und Passnamen nicht merken konnten (so wie ich), sei der folgende Link empfohlen:

http://alpregio.outdooractive.com/ar-zell-kaprun/de/alpregio.jsp#activ=Wandertouren&tab=ToursTab

Hier kann man in Ruhe das Gelände studieren.

Wenn ich persönlich ein Fazit ziehen kann, dann dieses:
Diese Alpeneinweisung war eines der fliegerischen Höhepunkte (gut, so viel Erfahrung habe ich auch noch nicht). Ich denke heute noch sehr gerne an diese fantastischen Flüge zurück. Es ist eine ganz andere Art zu fliegen. Absolut empfehlenswert!

RALF KAHL

 
 
 
Wetter EDLI