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23 | 02 | 2018
Südwestfrankreich / Atlantikküste

Fliegen an der Atlantikküste und in den Pyrenäen (Juli 2012)

Wie jedes Jahr im Urlaub versuche ich, vor Ort zu fliegen. Das sollte auch dieses Jahr wieder gelingen. Ausgangsbasis war Hossegor, ein kleiner Ferienort am Atlantik, ca. 30 km nördlich von Bayonne / Biarritz bzw. ca. 170 km südlich von Bordeaux.

Am naheliegendsten war der Verkehrsflugplatz Biarritz LFBZ. Dort gab es auch einen Aeroclub, den ich als erstes ansteuerte. Am „acceuil“ („Empfang“) stellte ich mich als PPL-Pilot vor, der gerne einmal mit einer Vereinsmaschine einen Rundflug machen würde. Die freundliche Dame sagte mir, dass das grundsätzlich möglich sei, ich dazu aber eine vorübergehende Vereinsmitgliedschaft eingehen müsse. Was das denn koste, fragte ich – 200.- €, antwortete die Dame (wobei ich nicht fragte, wie lange das denn dann Gültigkeit hätte). Ich sagte dann, dass mir das eigentlich, für vermutlich nur eine Flugstunde, die dann ja auch „on top“ käme, etwas zuviel wäre. Daraufhin machte sie mir das Angebot, eine halbe Stunde zu fliegen, mit „Instructeur“, für 150.- € insgesamt, aber auf diese Weise nicht länger als eben 1/2 h. Immerhin, schon mal eine Option.

Bei meiner Recherche hatte ich alternativ den Flugplatz bzw. Aeroclub von Dax ausgemacht. Dax ist eine kleine gascognische Stadt und ca. 35 km landeinwärts von Hossegor gelegen. Zunächst hatte ich in Dax angerufen und mit Florian Azan gesprochen, einem der Fluglehrer. Rasch wurde im Gespräch klar, dass ich auch von dort aus würde fliegen können, und zwar günstiger als von Biarritz aus. Also machte ich gleich einen Termin aus, für den Folgetag, einen Samstag, um 14 Uhr.

Der Flugplatz war leicht zu finden, im Südwesten der Stadt, an der Ausfallstraße D6, zumal ich mir ohnehin eine genaue Michelin-Karte der Region besorgt hatte. Der Klub lag gleich dort, wo die Straße den Platz berührte, dessen Gelände recht groß war, wie ich später feststellte. Ich machte mich mit Florian bekannt, zeigte ihm meine Papiere, wobei ich neben der Lizenz und dem Medical auch einen Ausdruck meines AID-Flugbuches über die letzten 12 Monate mitgebracht hatte. Neben der Prüfung meiner Dokumente zeigte sich Florian zufrieden mit meiner aktuellen Flugpraxis und besprach die Optionen. Grundsätzlich könne ich, nach einem Einführungsflug mit ihm, bei dem ich ihn neben der „Papierlage“ auch von meinem tatsächlichen Beherrschen der Maschine überzeugt hätte, selbst fliegen. Er gab allerdings zu bedenken, dass der Platz nicht nur an den Luftraum des Flughafen Biarritz angrenze, sondern am Platz auch eine militärische Flugschule stationiert sei und die Gegend auch Flugübungsgelände sei. Ein Blick auf die ICAO-Karte zeigte mir, dass Dax-LFBY eingerahmt bzw. überdeckt war von einer Reihe von R-Gebieten. Da ich keine Lust hatte, mich hier für die kurze geplante Flugzeit einzuarbeiten, schlug ich Florian vor, mich doch die ganze Zeit zu begleiten.



Robin DR 400, mit Florian 

Die Kosten waren überschaubar: hier musste ich zwar auch eine Mitgliedschaft eingehen, jedoch dafür nur 65.- € bezahlen, und die Flugstunde auf einer Robin DR-400 sollte ca. 165.- € kosten, wohlgemerkt, komplett incl. Sprit, Landung und Begleitung, was sicher ein guter Preis war. Die Robin DR-400 ist ein viersitziger Tiefdecker, der am ehesten Ähnlichkeit mit unseren alten Tigern ETIG und EAIJ hat, und ist das bei weitem gebräuchlichste Muster der französischen Sportfliegerei. Die Robin war mir sehr Recht, denn ich kannte sie schon von vorherigen Flügen, die ich von Aix-Les-Milles aus unternommen hatte. Alternativ zur Robin hätten noch zwei Zweisitzige zur Verfügung gestanden, wenn ich das richtig verstanden habe, aus einer Zwischenklasse zwischen Echo und UL, die es bei uns nicht gibt, jeweils mit 80- bzw. 100-PS-Rotax-Motor, wobei ich zumindest aus dem Vorjahr (vgl. „Andalusien“) von dem 100-PS-Motor wusste, dass er einen leichten Zweisitzer ordentlich wegzieht. Aber wenn es, wie bei der Robin, auch mit 180 PS geht ...


Cockpit der Robin DR 400 (man beachte die beiden Gashebel links und rechts des PIC-Steuerknüppels, so dass man den Knüppel wahlweise mit der linken oder rechten Hand bedienen kann, und passend dazu mit der jeweils anderen Hand den Gashebel; Foto von der Homepage des Aeroclub Dax)
 

ich entschied mich für Steuerknüppel in der rechten und Gashebel in der linken Hand

Bis hierhin hatte ich die ganze Konversation auf französisch geführt, nur manchmal ergänzt durch englische Ausdrücke. Für den Flug machte ich mit Florian ab, dass wir uns ab nun aus Sicherheitsgründen ausschließlich auf englisch unterhielten, denn mein Fliegerfranzösisch war doch deutlich schwächer als mein ganz passables Konversationsfranzösisch. Das merkte ich bereits, als ich mit Florian die natürlich auf französisch gehaltene Checkliste durchging, denn obwohl ich natürlich wusste, was so alles an Punkten kommen würde, hatte ich zum Teil doch Probleme, die Begriffe richtig zuzuordnen. Danach rollten wir zur Startbahn, Piste 26, trotz des großen Flughafengeländes mit vielen Schulungsflugzeugen nur eine 800-m-Bahn, aber eben nur für „leichte Heeresfliegerei“ ...


von Dax zur Küste, rechts Soustons mit seinem See, dahinter der für die Gegend typische die Küste entlang führende Pinienwaldsaum und der „endlose“ Strand


Blick auf den See von Hossegor, dahinter Capbreton

Nach dem Start drehten wir gleich auf Westkurs, zur Küste hin, die wir schon nach wenigen Minuten erreichten. Von hier oben sah man dann die ganze Pracht: einen im wahrsten Sinne des Wortes, selbst aus der Luft, endlos langen Sandstrand, der sich von Biarritz aus bis nach Arcachon und von dort aus weiter bis zur Girondemündung hinzieht, über etwa 200 km ! Über der Wasserlinie drehten wir auf Südkurs, überflogen Capbreton und hatten kurz darauf einen guten Blick die Mündung des Flusses Adour hinauf bis Bayonne, das vielleicht 3 nm landeinwärts liegt. Gleich dahinter ging Bayonne in Biarritz über, das bekannte Seebad, das wir schon zu Lande erkundet hatten. Hinter Biarritz sah man zum einen, zur Rechten, die Küstenlinie des Baskenlandes weiterlaufen, Richtung San Sebastian, das auch nur 40 km (Luftlinie) entfernt lag, und nach links stiegen die Berge der Pyrenäen an. Wir hatten an diesem Tag eine hervorragende Sicht, die gerade hier für eindrucksvolle Blicke sorgte.
 

Blick über die Mündung des Adour nach Bayonne (in der rechten Flussbiegung), das nach rechts in Biarritz übergeht, im Hintergrund der Flughafen von Biarritz
 

Biarritz


Blick über Biarritz auf die Pyrenäenausläufer (links) und die spanische Küste (rechts)

Zuvor hatten wir, da Biarritz bzw. die angrenzende Küste in der CTR von Biarritz lag, vom Tower eine Durchfluggenehmigung besorgt und diese, in aus Sightseeing-Gründen erfreulich niedriger Höhe von 1500-2000 ft, auch bekommen. Nach schließlich Überflug des Platzes von Biarritz drehten wir nach Nordosten, um am Adour entlang schließlich wieder nach Dax zurückzukehren. Nach der Landung war für mich klar, dass ich noch einen Flug machen wollte, den wir auch gleich für die Folgewoche verabredeten.


Checken vor dem zweiten Start, diesmal alleine mit französischer Checkliste

An diesem Tag war das Wetter eher durchwachsen, auf dem Regenradar waren sogar am Übergang der Pyrenäen zum Atlantik einzelne Schauer zu sehen, so dass Florian erst nicht so überzeugt war, dass wir allzu viel von dem Flug hätten, aber wir beschlossen, uns einfach einmal einen Eindruck aus der Luft zu machen – oben sah es gleich ganz anders aus, man hatte gute Fernsicht, und wir konnten auf Kurs gehen. Mit von der Partie war noch eine Flugschülerin, die gerade am Platz war und die Gelegenheit wahrgenommen hatte, einfach mal mitzufliegen.


im Anflug auf die Pyrenäen


Anstieg auf die Pyrenäen, im Hintergrund Oloron

Diesmal starteten wir über die 08 und flogen nach Südosten, Richtung Pyrenäen bzw. Pau. Entsprechend des ansteigenden Gebirges kletterten auch wir rasch auf FL 55, Höhenmesser auf 1013 hPa gestellt, schöner Blick auf den Gebirgskamm; nach Pau, wie ursprünglich geplant, konnten wir leider nicht weiterfliegen, da über Oloron Fallschirmsprung stattfand, und wir deswegen nach Westen ausweichen mussten, entlang der Ausläufer der Pyrenäen, die hier allerdings nicht mehr sonderlich hoch sind, bis wir über St.-Jean-Pied-de-Port, einem in der Region bekannten Ausflugsort, wieder nach Norden abdrehten, Biarritz und Bayonne östlich streiften und wie gehabt wieder am Adour entlang nach Dax zurückflogen.


über den Pyrenäenausläufern, mit Blick auf den Pyrenäenkamm


St.-Jean-Pied-de-Port


links weist der Adour den Weg zurück nach Dax

Fazit: es lohnt sich, sich am Urlaubsort einmal umzuschauen, am besten schon von Deutschland aus, und vor Ort natürlich die Papiere dabeihaben (wie gesagt, um mir das Mitschleppen des Flugbuchs zu ersparen, hatte ich einen AID-Flugbuch-Ausdruck dabei, ohne Gewähr, dass dies ebenso akzeptiert wird wie das „richtige“ Flugbuch). Wer jedenfalls nach Dax kommt, sollte schauen, ob sich dort eine Gelegenheit zum Fliegen ergibt, landschaftlich lohnt es sich auf jeden Fall. Die Küste hinauf nach Norden gibt es noch drei weitere Plätze: Mimizan, Biscarosse (mit großer Vergangenheit, weil sich dort der Stützpunkt der französischen Wasserflugzeug-Linie nach Südamerika befand) und Arcachon, gleich neben der berühmten großen Düne; wobei ich keine weiteren Infos über die jeweiligen ggf. Chartermöglichkeiten habe.

Zu guter Letzt noch ein Hinweis auf das Flugzeug- und Hubschraubermuseum von Dax, das ebenfalls am Flugplatz gelegen ist, wenigstens das sollte ein „Muss“ für hier vorbeikommen Piloten sein. Eine ordentliche Zahl von Kleinflugzeugen und Hubschraubern warten auf den Besucher, darunter z.B. ein französischer Nachbau des bekannten Fieseler Storch, 1942 als Morane Saulnier MS 505 Criquet („Heuschrecke“) in Lizenz gefertigt (in Damme gibt es übrigens einen, sogar flugfähigen, „Storch“ !). Neben dem umfangreichen „praktischen“ Anschauungs­material gibt es im „theoretischen“ Abschnitt des Museums auch detaillierte Informationen zum Helikopterflug, mit vielen Anschauungsmodellen, u.a. einem Übungs-Heli, in dem man die Wirkung der verschiedenen Steuerknüppel auf die Rotoreinstellung ausprobieren kann, also, es lohnt sich.


 Morane Criquet 505 alias Fieseler Storch


Bell 47, u.a. bekannt aus dem Film M.A.S.H
 

bei den Helis gibt es aber auch größere Kaliber ...
 

Einblick in einen für die Fliegerei typischen Sternmotor (in 5-Uhr-Stellung das Haupt- oder „Mutterpleuel“, das als einziges “aktiv“ mit der Kurbelwelle verbunden ist)

So, bis zum nächsten Mal, ich werde wieder versuchen, zu fliegen und zu berichten.

Reinhard Bornemann
 

Adressen:

Aéroclub Basque
3 allée des Aéroclubs
64600 Anglet (zwischen Biarritz und Bayonne)
Tél : 05.59.23.93.79
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können. oder Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können.
http://www.aeroclub-basque.com/
(Anfahrt: im südwestlichen Areal des Platzes, bzw. vom Terminal aus ca. 2 km gegen den Uhrzeigersinn um den Platz herum)

 
 

Aéroclub de Dax
101 route de Tercis (entspricht der D6)
40100 Dax
Tel.: 0033 (0)5-58.74.14.20
E-mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können.
http://www.aeroclubdedax.fr/
http://fr.wikipedia.org/wiki/Aérodrome_de_Dax_-_Seyresse
Florian Azan, Instructeur F.I. (einer der Fluglehrer)
E-mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können.

 
 

Flugzeug- / Hubschraubermuseum in Dax
Musée de l'Aviation Légère de l'Armée de Terre et de l'Hélicoptère (AAMALAT)
58 avenue de l'Aérodrome
40100 Dax
Tel. und Fax:
0033 (0)5-58.74.66.19
E-mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können.
http://www.museehelico-alat.com/

Liste des aérodromes français (Übersicht über die Flugplätze in Frankreich)

http://fr.wikipedia.org/wiki/Liste_des_aérodromes_français

 
 
Zuletzt aktualisiert am Freitag, 26. Oktober 2012 um 12:42 Uhr
 
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