Start Reiseberichte Andalusien
23 | 02 | 2018
Andalusien
 
Fliegen in Andalusien (August 2011)

Eine Region mit ca. 300 Sonnentagen im Jahr, dort ein Hotel mit einem eigenen Flugplatz ? Ein lohnendes Ziel und ein krönender Abschluss unserer Andalusienreise, dachte ich mir, als wir unsere Reiseroute dieses Jahr planten: von Barcelona aus mit dem Leihwagen die Mittelmeerküste entlang, um Gibraltar herum bis Cadiz an der Atlantikküste, Rückflug ab Jerez de la Frontera. Und ca. 50 km von Jerez entfernt, etwa auf halbem Wege nach Sevilla, lag Villamartin, ein kleiner Ort, in den es vor etwa zehn Jahren einen Harsewinkler verschlagen hatte, der dort eine alte Bahnstation (!) mit angeschlossenem Flugfeld (!) für sich entdeckte.

Wie geht das zusammen ? In den 20er Jahren wurde eine Eisenbahnlinie von Malaga nach Cadiz projektiert, die aber wegen des Spanischen Bürgerkrieges nicht mehr zur Ausführung gelangte. Immerhin wurde schon die Trasse angelegt und einige Bahnstationen gebaut, darunter die von Villamartin. Und im aufkommenden Flugzeugzeitalter kam dann jemand auf die Idee, die Bahnstation als Flugplatzgebäude zu nutzen und legte daneben ein Flugfeld an. Große Aktivitäten entstanden jedoch nicht, und so weckte Thomas Huster, seit jeher ein begeisterter und mit Meistertiteln erfolgreicher Drachen- und Segelflieger, zusammen mit seiner aus dem Baskenland stammenden Frau (mit übrigens auch deutschen Wurzeln) das Anwesen aus seinem Dornröschenschlaf. Er baute die Bahnstation zu einem Hotel – „La Antigua Estacion“ –um und erweiterte das Flugfeld, bzw. legte eine veritable 560m-Asphaltbahn an. Es schlossen sich Privatflieger und eine Flugschule an; damit wurde Villamartin zum „Geheimtipp“ für Fliegerferien im sonnigen Süden.

Nach unserer Ankunft, und Klönschnack über gemeinsame alte Bekannte in Harsewinkel (meine Frau stammt ebenfalls daher, von dort hatten wir auch über den „alten Bahnhof“ erfahren) ging es natürlich gleich darum, wann ich fliegen könnte. Dafür bot sich „Pedro“ an. Pedro heißt eigentlich Peter Wittwer, ist Schweizer und war früher Entwicklungsingenieur beim Schweizer Flugzeugbauer Pilatus; auch ihn hatte es hierher verschlagen, wo er die Flugschule „Fly-Pedro“ aufbaute. Ich verabredete mich mit Pedro für den nächsten Morgen, Donnerstag. Da ich noch keine Motorseglererfahrung hatte, gab es beim Frühstückskaffee zunächst eine Theoriestunde. Als Fluggerät stand ein MoSe Typ Falke SF25C, Kennung D-KEOS, zur Verfügung. Der vielleicht wichtigste Unterschied zu unseren Fliegern war die Tatsache, dass die KEOS ein Spornradflugzeug war, was beim Rollen, vor allem aber bei Start und Landung berücksichtigt werden muss – so muss etwa, je nach Absicht, das Spornrad verriegelt oder entriegelt werden. Interessant ist auch, dass die Maschine ein Getriebe hat, um den mit seinen nur 2 Litern Hubraum mit 4-5000 RPM relativ hochdrehenden Motor auf eine niedrigere Prop-Drehzahl zu bringen.

 
 
 Der "Falke" wird abflugbereit gemacht
 

 gleich geht's los
 

Nach der Einweisung ging es schließlich ans Fliegen. Noch bevor ich mir darüber Gedanken machen konnte, wie die Maschine aus der „schrägen“ Spornradlage in eine uns gewohnte Horizontallage kommt, hatte sich die Maschine auch schon aufgerichtet und war nach höchstens 200 m in der Luft, auch weiterhin stieg sie ganz ordentlich trotz ihrer „nur“ 100 PS, Grund: das vergleichsweise niedrigere Abfluggewicht, was die Maschine gefühlt einer C-152 ebenbürtig machte. Etwas gewöhnungsbedürftig war für mich zu Beginn die ggü. einer Viersitzigen etwas „agileren“ Fluglage, bzw. sprach die Steuerung sehr empfindlich an. Wir bewegten uns nun rasch auf das östlich angrenzende Gebirge zu und stiegen allmählich über den ersten Kamm, mit nacheinander Blick auf ein altes Römerlager, einen Stausee und das erste der sogenannten „weißen Dörfer“, für die diese Gegend bekannt ist.

 

so schön ist es gleich hinter Villamartin im Gebirge
 

An einem Berghang führte Pedro mich auch gleich in die Geheimnise des Segelflugs ein: er übernahm das Ruder, wies mich auf zwei Geier hin, die in der Nähe kreisten, und hielt auf deren Position zu, plötzlich verspürte ich einen Ruck, eine Thermik hatte uns erfasst, Pedro schlug scharf das Ruder nach rechts ein, und wir wurden rasch nach oben getragen, allerdings nur kurz, denn die Thermik war nicht sehr ausgeprägt. Weiter ging es über das in dieser Gegend wohl bekannteste touristische Ziel, die „weiße“ Stadt Ronda. Auf dem Rückweg konnte ich den Streckensegelflug trainieren: wir stiegen auf vielleicht 7000 ft, stellten den Motor ab (ja, das darf man im Motorsegler !) und segelten gemütlich unseren Rückweg entlang, bis kurz vor der Landung der Motor wieder gestartet wurde und die Maschine mittels Störklappen, statt unserer gewohnten Landeklappen, zurück auf die Bahn gebracht wurde.

 

Ronda von oben
 

 Landeanflug auf die 24
 
 

Der nächste Tag, Freitag, war einem Familienausflug mit dem Auto vorbehalten, nach Sevilla, einem der Höhepunkte Andalusiens, und während meine Frau einen erweiterten Shoppingbummel durch Sevilla unternahm, fuhr ich zwischendrin noch kurz nach Huelva, dem Abfahrtsort von Columbus, wo in einem netten Museum u.a. die maßstabsgetreuen Nachbauten der drei Kolumbuskoggen zu besichtigen waren. Der Nachmittag gehörte dann ganz der wunderschönen Stadt am Guadalquivir, mit ihrem Highlight der Kathedrale, immerhin der drittgrößten der Welt, mit schönem Rundblick vom nicht minder berühmten Giralda-Glockenturm,

Am darauffolgenden Samstag verabschiedete ich zunächst in aller Frühe zwei spanische Paare, die jeweils mit einem UL aus Barcelona angereist waren, und die ich am Vortag kennengelernt hatte. Sie machen jedes Jahr einmal Station im Hotel, hatten einige Tage von oben aus die Gegend erkundet und machten sich nun auf den Rückweg.

 

Die beiden UL's machen sich startbereit nach Barcelona
 
 

Auch für mich sollte heute ein zweiter Flug stattfinden. Pedro kam wieder morgens vorbei, sagte aber gleich, dass es zur Zeit zu windig sei, bzw. hatten wir ordentlich Crosswind auf der Bahn. Aber wenn ich Lust hätte, könnte ich helfen, einen Flieger zusammenzubauen. Warum nicht ! Die Flugschule hatte in Deutschland einen Segelflieger gekauft, einen Scheibe-„Bergfalke II/55“ von 1955, und Pedro hatte ihn in der Woche zuvor zerlegt mit dem Hänger heruntergefahren. Da stand nun der Hänger, mit dem Rumpf in der Mitte, den beiden schmalen Flächen rechts und links angelegt, und irgendwo dazwischen verzurrt noch das Höhenleitwerk. Angesichts der schon am Morgen recht warmen Temperaturen hätten wir den Flieger lieber in der Halle zusammengebaut, dort war allerdings nicht so viel Platz, bzw. hätte man erst umständlich andere Flugzeuge herausholen müssen, also blieben wir lieber draußen.

 
 Der Bausatz, noch verpackt.....
 

 Erst mal alles ordentlich sortieren.....
 
 

Wir legten zuerst die Teile vor der Halle in der richtigen Anordnung aus, und dann war alles ganz einfach, theoretisch zumindest. Man musste nur die beiden Tragflächen beidseits in den Rumpf hineinschieben und dann alles miteinander verbinden. Leichter gesagt als getan, denn im Inneren des Rumpfes mussten jeweils eine in den Flächenenden befindliche Bohrung, sowie eine entsprechende Bohrung der Rumpfbefestigung, exakt übereinandergebracht werden, damit ein solider Rundbolzen hindurchgeschoben werden konnte. Dafür war praktisch kein Spiel vorhanden, das heißt, zwei Mann mussten die beiden Flächen so lange, und vorsichtig, hoch und ´runter, vor und zurück bewegen, bis sich endlich der Bolzen passgenau hindurchschieben ließ. Das ganze wurde dann noch mit einem Splint ordentlichen Kalibers gesichert – richtiger, einer „Fokkernadel“, wie ich hier lernte.

 

Das keiner unterwegs an diesem Griff zieht... (aber dazu ist ja die Fokkernadel da!)
 

 Fein- und Geduldsarbeit: der Höhenruderanschluss
 
 

Das Höhenruder ließ sich leicht in Position bringen, aber der Anschluss an das Rudergestänge war knifflig, denn er musste durch ein kleines Handloch verschraubt werden, ein Geduldsspiel, dem sich Pedro widmete. Nun war der Flieger zwar zusammengesetzt, aber noch lange nicht einsatzbereit, denn die Steuerung musste nach Handbuch in einer aufwändigen Prozedur adjustiert werden, und dann musste auch im zweisitzigen Cockpit noch einiges angebracht werden, bemerkenswert hier die rustikalen Metallschalen, die mich an die Jak erinnerten, deren „Polsterung“ im wesentlichen aus den mitgelieferten Fallschirmen bestand. Nach dieser Erfahrung könnte ich verstehen, wenn ein Segelflieger lieber zu seinem Platz zurückkehrt, statt nach einer Außenlandung den Flieger auseinander- und vor allem wieder zusammenbauen zu müssen ! Am nächsten Tag fand dann der erfolgreiche „Jungfernflug“ statt, und ich war stolz, daran beteiligt gewesen zu sein.

 

Mit Fallschirm wird schon nichts schief gehen ... Thomas Huster vor dem Start

 

Der Bergfalke landet nach erfolgreichem Jungfernflug


Aber zuvor hatte ich, am Nachmittag unserer „Bastelstunde“, doch noch Gelegenheit zu meinem zweiten Flug bekommen. Der Wind war abgeflaut, und wir nutzten die Gelegenheit. Diesmal drehten wir nach dem Start nach Westen ab, Richtung Guadalquivir, der ca. 45 km westlich von Villamartin breit dem Golf von Cadiz entgegenfloss. Hinter dem Guadalquivir drehten wir nach Norden und flogen flussaufwärts bis kurz vor Sevilla, das natürlich ein lohnendes Überflugziel gewesen wäre. Allerdings, so sagte Pedro, wäre es schwierig, eine Freigabe für den Sevilla umschließenden Luftraum des Sevillaner Flughafens zu bekommen, nun, da wir noch andere Ecken zu erkunden hatten, drehten wir vorher ab und flogen weiter durch das abwechslungsreiche im Osten angrenzende Bergland, bis wir wieder in Villamartin landeten.



westlich von Villamartin ein ganz anderes Bild: der Guadalquivir
 

Diese Ecke Andalusiens ist wasserreicher als man denkt: Stausee
 
 

Thomas Huster hat übrigens noch größeres vor: ab nächstem Jahr soll dort der „Airpark Andalucia“ entstehen, mit ca. 12 Privathangars à 12 x 9 m (passend z.B. für eine PA-28 oder C-172), jeweils überbaut mit Appartements von 60-70 qm, sowie mit weiterer Infrastruktur. Man darf gespannt sein auf die Zukunft !


Reinhard Bornemann



Die Fakten:

Anreise:

vorzugsweise über Jerez de la Frontera, z.B. im August 2011 für 80.- € mit Condor ab Düsseldorf (one way), von dort ca. 50 km bzw. eine gute halbe Stunde Fahrt; alternativ über Sevilla.(1 h) oder Malaga (2 h).

Der Ort:

Villamartin liegt günstig zentral in Andalusien: von hier aus sind es jeweils nur eine Stunde Fahrt bis Sevilla, Cadiz bzw. den Atlantikstränden, und den „weißen Dörfern“ wie Ronda; nach Cordoba, Malaga und Gibraltar sind es vielleicht je zwei Stunden. Vom Hotel aus sind es ca. 1,5 km hinauf in den Ort; dort gibt es „alles“, z.B. Banken, Einkaufsmöglichkeiten, Tanke, einen netten kleinen Platz, und eine Reihe von Restaurants, von gehoben bis preiswert.

Das Hotel:

bietet Ü/F in 10 geräumigen und modern eingerichteten Appartements, inmitten einer gepflegten Gartenanlage mit großem Pool, zu moderaten Preisen (je nach Saison.

Der Flugplatz:

LETF kann entweder mit eigenen Maschinen angeflogen werden – ein MTOW ist nicht veröffentlicht, wird aber intern mit bis ca. 2500 kg angegeben – oder es können am Platz Fluggeräte gechartert werden, etwa besagter Motorsegler D-KEOS, für 127.- € / Stunde incl. Begleitung / Schulflug bzw. 104.- € solo; Flugzeugschlepp: Einsitzer 30.- €, Doppelsitzer 36.- €, jeweils auf 500 m AGL.

Kontakt:

Hotel La Antigua Estacion – Thomas Huster

E-11650 Villamartin / Cadiz, España

Festnetz +34-617-560-351

Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können.

http://www.antiguaestacion.com/


Aviación Deportiva – Pedro Wittwer, S.L.

E-11650 Villamartin / Cadiz, España

Mobil +34 – 687-988-240

Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können.

http://www.fly-pedro.com/

 
 
 
 
 
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